Bevor ich in meinen Seminaren verschiedene Kreativitätstechniken einführe, stelle ich zuerst immer dieses „Phasen-Modell der Kreativität“ vor.

Auf diesem oder ähnlichen Modellen bauen nämlich viele Kreativitätstechniken auf und damit werden den Teilnehmenden auch schon mal einige Grundprinzipien deutlich und sie verstehen besser den Sinn der Techniken und warum sie funktionieren.

Die vier Rollen „Forscher, Künstler, Richter und Krieger“* stellen verschiedene Phasen dar, die bei der kreativen Ideenfindung durchlaufen werden. In manchen Kreativitätstechniken haben sie eine andere Bezeichnung oder werden in einer anderen Reihenfolge eingesetzt (Beispiel: Walt Disney Strategie: Träumer, Handelnder, Kritiker).

*Literaturhinweis: Roger von Oech, Der kreative Kick

Die vier Phasen oder Rollen

  1. Forscher

Wenn Sie ein bestimmtes Problem lösen wollen oder ein Thema kreativ bearbeiten wollen, dann müssen Sie in einem ersten Schritt erst einmal Informationen oder vielleicht auch Material sammeln. Alle Informationen, die Sie zum Thema brauchen und die Ihnen bei der Lösung helfen können. Dazu gehört auch, mögliche Ursachen des Problems herauszufiltern.

Ob Sie alleine mit einer Kreativitätstechnik an einem Thema arbeiten oder im Team, spielt dabei keine Rolle. Wenn einer der Themengeber ist, dann können die anderen in dieser Phase Hintergrundinformationen erfragen, um das Problem genauer einzukreisen und zu verstehen.

Wenn Sie alleine arbeiten, dann müssen Sie sich diese Fragen selbst stellen und die Ursachen des Problems analysieren.

Das kann dazu führen, dass Sie das Thema anschließend noch einmal umformulieren und konkretisieren.

(Darauf werde ich im nächsten Newsletter und Blogbeitrag noch einmal ausführlicher eingehen!) 

  1. Künstler

Aus den gesammelten Informationen kann der Künstler nun etwas machen. Dazu wendet er die unterschiedlichsten Methoden an, die wir in den Kreativ-Techniken wiederfinden. Hier ist das Brainstorming angesiedelt und alle weiteren Kreativtechniken, hier dürfen Sie Ihre Phantasie ungehemmt entfalten.

In dieser Phase geht es vor allem darum, möglichst viele und auch neue Ideen zu sammeln. Auch scheinbar unsinnige Ideen, verrückte Einfälle, völlig unrealistische Dinge und auch Assoziationen und Ideen, die scheinbar erst mal gar nichts mit dem Thema zu tun haben, einem aber durch den Kopf schießen.

Je nach Kreativitätsmethode wird diese Phase eher wie ein „normales“ Brainstorming ablaufen oder Sie werden explizit auf Umwege geschickt, um wirklich neue Wege zu finden.

Hier geht es erst mal um die Menge, die Bewertung und Auswahl erfolgt erst in der folgenden Phase. 

  1. Richter

Meine Vermutung ist, dass den meisten diese Rolle am leichtesten fällt. Dass es oft schwer ist, ihn so lange ruhig zu halten, bis er dran ist.

Aber nun ist er gefragt zu sichten und zu bewerten, was von den Ideen des Künstlers brauchbar ist und lohnt, umgesetzt zu werden. Nur das reicht er dann an den Krieger weiter.

Er untersucht, was an der Idee brauchbar ist. Was ist neu, interessant? Was sind mögliche Nachteile? Wie sind die Chancen für einen Erfolg?

Wenn es misslingt, was kann dann vielleicht trotzdem gerettet werden?

Hier kommen oft noch einmal Impulse für den Handelnden, so dass Ideen entsprechend umformuliert und präzisiert werden können.

  1. Krieger

Von Oech beginnt das Kapitel mit zwei Grundregeln des Lebens:

  1. Veränderung ist unvermeidlich.
  2. Jeder vermeidet Veränderung.

Ständig erleben wir bei uns und bei anderen, wie schwierig es ist, Veränderungen zu installieren, neue Ideen in die Welt zu bringen. Überall begegnen wir Widerständen und Grenzen, Abwehr und Zweifeln.

Daher ist die Bezeichnung „Krieger“ sehr passend. Er muss oft gegen solche Widerstände kämpfen, um seine Ideen umsetzen zu können. In seiner Verantwortung liegt es, dass sie Gestalt annehmen.

Dabei müssen die Widerstände nicht nur im Außen liegen, sondern können auch ins uns selbst liegen. Ängste, Unsicherheiten, mangelndes Selbstbewusstsein, alles Mögliche kann uns daran hindern wollen, unsere Ideen auch wirklich umzusetzen. Da ist dann diese „kriegerische“ Haltung zur Umsetzung sehr hilfreich.

Vier Rollen

Es sind nicht nur Phasen, die sauber getrennt werden, sondern wir schlüpfen auch in unterschiedliche Rollen.

Jeder wird bei sich feststellen, welche Rolle ihm leichter fällt und welche schwerer. Dann ist es hilfreich, genau die schwächeren auch bewusst zu trainieren und zu fördern, denn alle vier sind wichtig und haben eine Funktion. Nur eben jeder zu seiner Zeit.

Der Forscher ist wichtig, damit man überhaupt die richtige Themenstellung entwickelt und formuliert, die das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.

Der Künstler ist wichtig, um an wirklich neue und kreative Ideen zu kommen, die man sich normalerweise oft gar nicht mal zu denken wagt.

Der Kritiker ist wichtig, um auch mögliche Gefahren und Risiken abzuwägen und dem Handelnden (Krieger) wichtige Hinweise zu geben, so dass der noch nachbessern kann.

Der Krieger (oder Handelnde) ist wichtig, damit die tollen Ideen auch wirklich konkret umgesetzt werden.

Alle vier haben also eine wichtige Funktion.

Warum ist dieses Modell so hilfreich?

Es geht vor allem darum, diese Phasen deutlich voneinander zu trennen und beim kreativen Prozess nicht zu vermischen.

Was Sie sicher auch alle kennen: Es taucht eine Idee auf (Künstler) und zack, haut der innere oder äußere Kritiker drauf und schreit: „Das geht nicht!“ oder „Das ist zu teuer!“ „Das kannst du nicht.“ etc. Damit wird jegliche Kreativität im Keim erstickt.

Die einzelnen Kreativitätstechniken helfen dabei, diese Phasen sauber zu trennen, indem sie eine entsprechende Struktur vorgeben. Und so kann man den inneren Kritiker leichter beiseiteschieben und ihm sagen: „Du kommst gleich noch dran, dann darfst du alles sagen und bedenken. Aber JETZT hältst du die Klappe und gehst raus!“

Wenn wir die Rollen oder Phasen vermischen, dann behindern sie sich gegenseitig. Da das Hauptziel aber die Entwicklung kreativer Ideen ist, muss vor allem der Künstler und die Künstlerphase unterstützt werden. Das ist auch die Rolle, mit der sich die meisten am schwersten tun, weil uns das hemmungslose Herumspinnen und Fantasieren in der Schule abtrainiert werden. Viele müssen es als Erwachsene wieder lernen und regelrecht üben.

Auch dabei helfen die Kreativitätstechniken, weil sie den passenden Rahmen schaffen.

Einseitigkeit und Übertreibung

Schauen wir uns mal Menschen an, die sehr stark nur eine Rolle ausgeprägt haben (und bestimmt fallen Ihnen beim Lesen der Beispiele auch konkrete Menschen ein).

Forscher

Wenn jemand vor allem und nur Forscher ist, dann verbringt er am liebsten seine Tage einsam in einem Kämmerchen und forscht und forscht.
Wenn es im Rahmen einer Teamsitzung oder einer konkreten Produktentwicklung oder Marketingstrategie ist, dann kommt er einfach nicht zu Potte. Dann braucht er erst noch diese Information und jene Analyse, muss das noch nachlesen und jenes noch recherchieren. Er kommt dann schlimmstenfalls nie aus dem Quark, weil er ja mit den Vorbereitungen noch nicht fertig ist.

Künstler

Sie kennen sicher auch Menschen, die ständig übersprudeln von neuen tollen Ideen und auch sehr begeisternd und ansteckend sind. Doch es kommt nie was dabei raus. Sie setzen sich nicht wirklich hin und arbeiten an der Umsetzung, sie haben oft kein Durchhaltevermögen und machen sich nicht „die Finger schmutzig“. Wenn dann andere das nicht aufgreifen, versanden die Ideen oder vergammeln in der Schublade.

Richter/ Kritiker

Es gibt auch so Dauernörgler und Bedenkenträger, die alle neuen Ideen stoppen, weil sie Angst vor Veränderung haben, oder Angst davor, Fehler zu machen. Aber Kreativität funktioniert nicht ohne Risiko.

Handelnder/ Krieger

Und dann gibt es noch die Aktionisten, die einfach loslegen und ungeduldig mit den Hufen scharren, weil ihnen das ganze Analysieren zu lange dauert. Da wird dann schlimmstenfalls ohne Plan gehandelt und sich auch keine Zeit genommen für die kreative Phase, um an wirklich neue Ideen zu kommen.

In Teams

Es ist besonders spannend, sich daraufhin mal die Mitarbeiter und Kollegen anzuschauen, wer da vor allem welche Rolle spielt.

Dann kann man das weniger als Störung erleben, wenn der andere anders tickt, sondern als Ergänzung sehen und nutzen. Das geht aber nur, wenn man es sich bewusstmacht.

In einem Seminar habe ich einmal ein Team erlebt, da waren 3 Kolleginnen eindeutig schwerpunktmäßig in der Künstler-Rolle: Sie sprudelten vor Ideen und auch Begeisterung. Ein Kollege, der dazu gehörte, steckte stark in der Kritikerrolle. Eine Kollegin meinte dann auch: Ja, so ist der immer, der nörgelt immer und sieht die Probleme. Also ein typischer Bedenkenträger.

Doch von außen sprang es mir direkt ins Gesicht: Wenn man das systemisch betrachtet, war das ganz verständlich. Der Kollege musste diese Rolle so stark besetzen als Gegengewicht zu den drei „Künstlerinnen“. Wenn diese auch mehr ausgewogen die anderen Rollen einbeziehen würden, könnte er auch aus dieser starken Kritikerrolle raus und mehr künstlerische Ideen mitspinnen.

Forscher, Künstler, Richter und Krieger

Bei Ihrer nächsten Fragestellung laden Sie alle vier an Ihren Tisch und lassen jeden zu Wort kommen. Sie ergänzen sich ganz wunderbar und können Ihnen einen Gesamtblick über Ihr Thema und Ihr Problem geben, Wege zur Lösung aufzeigen und Hilfen zur Umsetzung dazu steuern.

Viel Freude und Erfolg mit Ihrem Kreativ-Team!

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