Teamplayer oder Einzelkämpferin?

Trainer scheinen ja von Natur aus erst einmal Einzelkämpfer zu sein. Sie führen in der Regel ihre Seminare und Trainings alleine durch.
Auch Akquise und der ganze Verwaltungskram hängt meist an ihnen, wenn sie nicht jemanden dafür anheuern.

Nun sind wir Menschen aber sehr unterschiedlich.

Manche genießen die komplett eigene Gestaltungsmöglichkeit und auch die Verantwortung, die Freiheit, vollkommen selbständig entscheiden zu können, was sie wann und wie machen.

Ich kenne aber auch Kolleginnen, die sich oft einsam fühlen und den Austausch mit anderen vermissen. Die eigentlich lieber im Team arbeiten würden als alleine.

Was für ein Tpy sind Sie?

Der erste Schritt ist, sich erst einmal bewusst zu machen, was für ein Typ man ist. Denn es geht sicher auch vielen anderen so wie mir, dass ich das erst einmal gar nicht so bewusst entschieden habe, sondern es sich so entwickelt hat. Vielleicht haben Sie aber auch noch nicht intensiver drüber nachgedacht, weil Sie es einfach so als selbstverständlich hingenommen haben. Das ist nun mal so!

Hier zwei Beispiele:

Meine Trainer-Karriere begann ich in einem Team, damals auch noch angestellt. Wir waren zu dritt. Wir planten die Seminare gemeinsam und führten sie gemeinsam durch, dabei testeten wir allerdings verschiedene Varianten. Davon unten mehr.

Später gab es Veränderungen, die Teams wurden zu teuer, wir wurden alleine losgeschickt.

Meine Kollegin merkte dann, dass sie gerne im Team arbeitet, dass sie den Austausch mit anderen vermisst.

Ich merkte, dass ich inzwischen viel lieber alleine arbeite. Mir hatte die gemeinsame Vorbereitung und Planung sehr viel Spaß gemacht, da wir auch ähnlich tickten. Wir waren beide so Methodentüflterinnen und übertrumpften uns mit kreativen Ideen.

Doch bei der Durchführung fand ich es immer schwieriger. Wer macht was wann? Wie können wir garantieren, dass wir in Arbeitsgruppen wirklich das Gleiche machen und mit gleichen Ergebnissen im Plenum zusammen kommen, um dann mit der ganzen Gruppe weiter zu arbeiten etc.

Verschiedene Modelle von Teamarbeit in Seminaren

Zu Beginn meiner Trainer-Karriere fand ich es sehr entlastend im Team zu arbeiten. Ich war anfangs noch unsicher, wir erarbeiteten gemeinsam die Themen und das ganze Konzept. Dazu muss ich sagen, dass es sich um 14-tägige Seminare handelte (Einführungsseminare für Lehrer und Ausbilder für berufsbereitende Maßnahmen ausländischer Jugendlicher), die eben auch sehr unterschiedliche Themenbereiche beinhalteten.

Von Ausländerrecht über Organisationsstrukturen, soziokulturelle Hintergründe und methodisch-didaktische Themen. Es gab damals noch kaum Lehrmaterialien, wir haben alles selbst entwickelt.

Es muss nicht jeder alles können

Ich merkte dann erst mit der Zeit, dass meine Stärke im methodisch-didaktischen Bereich lag und der ganze politische und gesetzliche Kram mir überhaupt nicht lag. Da blühte unser Kollege auf.

Es hat aber einige Zeit gedauert, bis wir das erstens erkannten und uns zweitens die Erlaubnis gaben, das auch so aufzuteilen. Denn anfangs hatten wir den Anspruch, jeder muss jedes können und machen. Grauenvoll. W. quälte sich durch Spiele, die er zwar theoretisch sinnvoll fand, aber nicht gerne machte. Und ich versuchte mich im Auslängerrecht zurecht zu finden und litt erbärmlich.

Es müssen nicht alle gleichzeitig

Anfangs waren wir in der Regel immer alle da und verteilten häppchenweise die Themen. Zuerst bekam D. ein Thema, dann W., dann ich etc.

Das war jetzt nicht wirklich entlastend und auch nicht sehr effektiv. Denn wenn einer mal was länger machte, trommelte der andere schon mit den Fingern.

Später habe ich (auch mit anderen Trainern in anderen Zusammenhängen) eher die Form bevorzugt: jeder übernimmt einen kompletten halben Tag oder sogar einen ganzen. Da quatscht man sich dann auch nicht dazwischen, der eine hat das Zepter komplett in der Hand.

Anfangs waren wir trotzdem anwesend, um eben auch mitzubekommen, was der andere macht und dort anknüpfen zu können. Aber auch das war dann später nicht mehr nötig und jeder konnte schalten und walten, wie er oder sie wollte. Das war dann für mich ok.

 

Gegenseitige Unterstützung

Anfangs hatte es einige Vorteile, zu zweit zu sein. Wenn der eine vorne „in der Bütt“ stand, konnte der andere unauffällig an der Seite sitzen und von außen beobachten. Da lernt man erstaunlich viel. Denn der Trainer vorne hat auch oft einen bestimmten Blickwinkel und bekommt vieles gar nicht so mit. Ein Beobachter von außen nimmt eher wahr, ob und wie alle Teilnehmer dabei sind. Wo etwas vielleicht unverständlich war, zu viel, zu schnell oder super richtig.

Bei den anschließenden Besprechungen und Auswertungen haben wir so viel gelernt.

Dann gibt es auch schon mal Situationen, wo man hängt. Wo man ein kurzes Black out hat. Oder eine Frage kommt, wo man hilflos ist. Oder eine wirklich doofe verzwickte Situation auftritt, ein ätzender Teilnehmer, der einen aus dem Konzept bringt.

Da ist ein hilfesuchender Blick zur Teamkollegin Gold wert. Wenn man gut aufeinander eingespielt ist, versteht sie den dezenten Hinweis, dass sie jetzt gerne mal eingreifen darf. Und kann es in der Regel entspannter als die gerade Betroffene.

Schwierigkeiten

Ich habe mit sehr unterschiedlichen Trainerinnen und Trainern damals Seminare durchgeführt und daher auch sehr unterschiedliche Schwierigkeiten erlebt.

Mit D. konnte ich super gemeinsam planen und Methoden austüfteln, wir ticken da ähnlich. Bei der Verteilung, wer macht was, gab es schon die ersten Probleme. Statt dass wir uns über Entlastung freuten, kam dann eher: „Du hast doch schon die Gedächtnisstufen- ich mache dann die Gehirnhälften!“ Immer Angst, dass die andere mehr abbekommt. Das scheint verrückt, war aber vielleicht auch Unsicherheit oder Angst, die andere würde als kompetenter angesehen, wenn sie mehr Zeit im Seminar als Trainerin auftritt.

Mit G. und Da. hatte ich ganz andere Probleme. Sie arbeiteten beide eher „prozessorientiert“, während ich mich akribisch an unsere vorherige Planung hielt. Vor allem, wenn wir die Gruppe in AGs aufteilten, sie in der einen, ich in der anderen.
Und wir am Ende im Plenum feststellten, die hatten was ganz anderes gemacht. Oder sie überzogen die vereinbarte Zeit, weil noch so viele Fragen kamen (von wegen prozessorientiert). Ich fand, das war oft Laberei und war sauer.

Besonders verblüffend fand ich zwei Erfahrungen mit 2 männlichen Teamern. Ich arbeitete ja schon lange suggestopädisch und das bedeutete, dass ich vorher den Seminarraum gestaltete mit Flipcharts und Postern, Requisiten und Spiele und Material ranschleppte.

B. erschien mit einer Plastiktüte. Ich fasste es nicht.
Raumgestaltung? Nein, das entwickelt er mit den Teilnehmern im Seminar gemeinsam. Die Ergebnisse werden anschließend an die Wand gehängt.

(Wobei er dann anschließend doch zugegeben hat, dass das durchaus seine Qualitäten hat, was ich da treibe und er hat auch einiges davon später für sich übernommen).

Grundsätzlich hatte ich aber bei beiden das Gefühl: Die gehen da viel entspannter ran. Haben längst nicht so härchenklein methodisch vorbereitet, was im Seminar läuft. Waren aber auch selbstbewusst und entspannt genug, um dann im Seminar fröhlich zu improvisieren. So dass ich fast vermute, dass die Teilnehmer da auch keinen großen Unterschied zu meinem Stil bemerkten. Oder?

Klare Erkenntnis

Jedenfalls merkte immer mehr: Ich möchte meine Seminare alleine machen. Und zwar so, wie ich es richtig finde. Dann kann ich auch eher flexibel was ändern, wenn ich sehe, dass die Gruppe das braucht, dass die Situation eine andere ist als geplant. Da muss ich dann keine Vereinbarungen mit der Teamerin brechen, sondern muss es nur mit meinen Teilnehmern klären.

So fand ich es dann nach einigen Jahren sehr viel entspannter und entlastender, meine Seminare und Trainings alleine durchzuführen.

Und habe mir irgendwann auch eingestanden: Ich bin keine gute Teamerin mehr. Ich mache lieber mein Ding. Weil ich auch immer mehr weiß, was ich wichtig und gut finde.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, beides zu haben?

Das sind jetzt nur einige Aspekte, es gibt natürlich noch viel mehr Facetten von Teamarbeit.

Und für Trainerinnen und Trainer, die nicht gerne tagelang alleine im Büro arbeiten, sondern Austausch und Anregungen vermissen, können da durchaus auch viele Möglichkeiten finden oder selbst entwickeln.

Hier nur einige Überlegungen, die Sie gerne ergänzen können durch eigene Erfahrungen oder Ideen.

 Eine Gesellschaft gründen – Sich mit anderen Trainern zusammentun

Es gibt viele Webseiten, wo sich Trainer-Gemeinschaften vorstellen. Wo unter einem Dach verschiedene Trainer verschiedene Themen anbieten.
Wenn das nicht nur ein virtueller Zusammenschluss ist, sondern eine reale Gesellschaft, dann können hier regelmäßige Treffen und Absprachen stattfinden. Gemeinsam Konzepte erarbeiten, auch vielleicht Seminare gemeinsam durchführen.

 Sich Kollegen suchen, mit denen man sich regelmäßig austauscht

Ob auf Regionaltreffen, Trainer-Kongressen oder sonst woher, jeder Trainer kennt andere Trainer. Schauen Sie, wer Ihnen sympathisch ist und ähnlich tickt. Sie können sich in Erfolgsteams zusammentun, eine Facebook-Gruppe gründen, sich einen Buddy suchen und vereinbaren, wie der regelmäßige Austausch aussehen soll.

Da fällt mir auch das „Asche aushusten“ aus dem Buch „Schwarzer Gürtel für Trainer“ ein, jemanden auf der Heimfahrt anrufen, wenn ein Seminar mal in die Hose gegangen ist.

Es kann aber auch das Leiden an der Technik sein, wie ich diese Woche, wo mal wieder so gut wie alles zusammenkrachte. Da ich Online-Seminare gebe, bin ich extrem abhängig von der Technik und wenn die nicht rund läuft, dann brauche ich nicht nur einen guten Support, sondern auch eine Kollegin, wo ich mal laut klagen und jammern kann. :-).

⇒ Gemeinsame Projekte

Man kann ja auch punktuell mal mit jemand zusammen arbeiten. Ein besonders Seminar im Jahr, womöglich im Ausland. Wie meine Wander-Coaching-Seminare in der Türkei (nur als Beispiel, auch das mache ich lieber alleine :-). Aber ich kenne einige, die so etwas zu zweit anbieten und somit auch den Akquise-Verteiler verdoppeln.

⇒ Social Media

Sie kennen das schon von mir. Ich liebe die Möglichkeiten, mich ganz schnell und unkompliziert im Netz mit Kollegen auszutauschen, Fragen zu stellen, Hilfe zu bekommen oder auch einfach nur mal einen kleinen Smalltalk zwischendurch. So als würden wir uns kurz in der Pause am Kaffeeautomaten treffen.

Ich kenne wirklich sehr viele Trainer-Kolleginnen im Netz, von denen ich auch viele schon persönlich getroffen habe auf Kongressen oder in der Türkei :-). Bevor ich zu einer Messe oder einem Kongress fahre, frage ich auch immer nach, wer sonst noch da ist und wir vereinbaren Treffen.

⇒ Zu Trainer-Veranstaltungen gehen

Ich war viele Jahre in allen möglichen Trainer-Vereinen (zum Teil nicht nur für Trainer). Es gibt da eine ganze Menge. Beispielsweise Trainertreffen Detuschland, GABAL e.V., DGSL, BDVT etc.

Die meisten haben auch Regionalgruppen, wo zu einem bestimmen Thema ein Referent eingeladen wird und man ansonsten netzwerken kann.

Ebenso gibt es Messen, wo es zumindest immer Ecken und ein Cafe für Trainer gibt, wie auf der didacta oder Zukunft Personal. Ich brauche mich eigentlich nur ins Cafe zu setzen und treffe nach und nach unzählige langjährige Kollegen.

Inzwischen bin ich nur noch im bvob, Berufsverband für Online-Bildung und auch wir haben Treffen, in denen wir uns persönlich begegnen und miteinander arbeiten. Aber eben auch virtuell, in Webinaren und in einem Forum, wo ein reger Austausch stattfindet, Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen bis hin zu Jobangeboten. Hier hat sich für mich auch schon so manche Zusammenarbeit ergeben, so dass ich mich nie einsam fühlte.

Resümee

Ich bin inzwischen eine ausgeprägte Einzelkämpferin, die aber gerne und oft Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen hat. Zum Austausch, aber auch bei ganz konkreter Hilfe. Die eine kennt sich super mit einer Webinar-Plattform aus und zeigt mir was, der anderen kann ich helfen, wie sie auch kreative Methoden in Webinaren einbaut. Mit einer dritten treffe ich mich zum Kaffee, weil ihr Vater in der Nähe wohnt. Und den vierten treffe ich dann auf der Learntec und wir gehen lecker essen.

Und meine Seminare mache ich von Herzen gerne alleine :-).


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