Müssen wir Trainer alle Lerntypen lieben?

Eine Teilnehmerin in einer Trainer-Ausbildung meinte neulich: „Bei den Merkmalen zu den Lerntypen habe ich sofort einige ehemalige TeilnehmerInnen erkannt und leider auch die Erkenntnis, dass der visuelle Lerntyp mich aggressiv macht.
Neulich in einem Seminare, bei dem ich Teilnehmerin war, waren einige Visuelle dabei. In dem Seminar wurde viel gesprochen, geschrieben, gemalt und Collagen erstellt. Ich wurde hinterher gefragt, ob das immer so oberflächlich sei. Für mich war das Seminar total intensiv.“

Sie hatte auch bei ihren eigenen Seminaren beobachtet, dass die Visuellen ungern über ihre Gefühle und Erfahrungen sprechen, was bei ihren Seminar-Themen aber notwendig ist.

Seminarangebot und Ausschreibung als Abschreckung

So halb im Spaß schrieb ich als eine der Lösungsideen:“ Mach doch in deiner Seminarausschreibung ganz deutlich, was ihr da alles macht: Singen, Spielen, Malen etc. Das schreckt dann sehr Visuelle vielleicht ab.“

Dann dachte ich aber noch weiter.

Sie können Ihre Teilnehmer nicht den Lerntypen zuordnen

Bei meinen Einheiten zu Lerntypen geht es mir weniger darum, dass anschließend Trainer die Teilnehmer entsprechend zuordnen können. Das geht gar nicht und ist auch nicht notwendig. Mir geht es dabei vor allem erst einmal darum, dass sie sensibel für die Unterschiede werden, wie Menschen lernen.

Und – das ist das Hauptziel dieses Themas – dass sie entsprechend ihre Seminare vorbereiten und Methoden einsetzen, die alle Lerntypen berücksichtigen. Wo für jeden etwas dabei ist. Daher empfehle ich auch immer bei der Seminarplanung beispielsweise in den Trainerleitfaden eine Spalte für die Lerntypen einzurichten. Da sieht man dann auf einen Blick, wie der Wechsel ist und welcher Lerntyp schon länger nicht berücksichtigt wurde. Das sieht dann so aus:

 

Es gibt wenige Methoden, mit denen alle Lerntypen gleichzeitig angesprochen werden, daher ist es dann wichtig, für einen regelmäßigen Wechsel zu sorgen.

Auswahl anbieten

In diesem konkreten Fall hatte ich dann noch einen anderen Lösungsvorschlag:

„Biete doch  bei diesem speziellen Thema im Seminar verschiedene Methoden zur Auswahl an.“

Dass beispielsweise die Visuellen die Fragen, die etwas ans Eingemachte gehen, schriftlich für sich alleine beantworten- und auch vorher mitgeteilt bekommen, ob sie das nachher veröffentlichen müssen, sich darüber in der Gruppe austauschen oder vielleicht nur mit einem selbstgewählten Partner. Oder auch gar nicht.

Die Auditiven können die Themen in Arbeitsgruppen oder zu zweit bearbeiten.

Und die Kinästheten können dazu eine Collage herstelle oder etwas malen – und sich dann auch darüber austauschen.

Dazu muss das Thema Lerntypen gar nicht thematisiert werden. Man bietet einfach die drei Arbeitsweisen an, und jeder Teilnehmer wird sich die Methode auswählen, die ihm am besten passt. Dann fühlt sich niemand zu etwas gezwungen ( für die Kinästheten ist es auch wichtig, dass sie selbst wählen dürfen) und niemand fühlt sich ausgeschlossen oder als „Spielverderber“.

Natürlich kann man das nicht ein ganzes Seminar lang durchziehen, aber bei solchen Sequenzen, die wichtig sind und wo sie die Erfahrung gemacht hatte, dass das für die Visuellen eine Qual ist, wäre so etwas durchaus denkbar.

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