Fragen Sie Picasso oder den Dalai Lama

Zu Methode

Eine wunderbare Anregung bekam ich bei einem Workshop zum Thema „Think on your feet®“ mit Bernd Höcker. Bei diesem Workshop ging es um Rhetorik- Methoden und -Tipps und wir wurden gleich am Anfang zu einer Partnerübung eingeladen.

Die Liste der Persönlichkeiten und den Einstieg habe ich übernommen und dann die Methode für das Thema Kreativität verändert wie unten beschrieben.

Ich stelle Ihnen zwei Varianten vor.

1. Variante

Verlauf

1. Themenformulierung

Jeder formuliert und notiert ein Problem, zu dem er eine Lösung möchte oder zumindest Hinweise oder Ratschläge.

Erst dann wird der weitere Verlauf erklärt.

2. Paare bilden

Es werden Paare gebildet, ganz zufällig, die Teilnehmer (TN) müssen sich nicht kennen.

3. Auswahl von 3 Persönlichkeiten

Jeder TN bekommt das Arbeitsblatt, auf dem Namen vieler bekannter Persönlichkeiten stehen: Schauspieler, Maler, Politiker, Sportler, historische Persönlichkeiten. Lebende und verstorbene.

Jeder wählt nun relativ flott drei Persönlichkeiten für seinen Partner aus.

(Im besagten Workshop saß ich neben einer Frau, die ich noch nie gesehen hatte. Dennoch hatten wir wie alle anderen einen spontanen Eindruck.

Das Verblüffende war, dass die meisten mit den ihnen zugeordneten Persönlichkeiten tatsächlich eine Menge anfangen konnten. )

4. Vorstellung und Auswahl

Man teilt dem anderen die drei ausgewählten Persönlichkeiten mit (das ist äußerst spannend!!) und er wählt sich eine davon aus. Ich wählte beispielsweise Picasso.

5. Vorstellungsrunde

Im Seminar sollen sich danach kurz alle Teilnehmer mit ihrer neuen Identität vorstellen mit der Formulierung: „Ich bin …Picasso!“

6. Nun beginnt das kreative Brainstorming:

Meine Partnerin ist beispielsweise der Dalai Lama. Ich schildere nun kurz mein Problem und sie antwortet aus der Sicht des Dalai Lama. Ohne natürlich zu wissen, was diese andere Person wirklich denkt und meint. Aber sie stimmt sich einfach auf diese Persönlichkeit ein und antwortet als diese. Das kann ruhig spielerisch geschehen.

Die Fragestellerin schreibt alle Antworten und Ratschläge hintereinander auf, ohne zu diskutieren, zu kommentieren oder nachzufragen. Wie bei einem klassischen Brainstorming.

Wenn dem anderen dann nichts mehr einfällt oder die Zeit um ist, dann werden die Rollen getauscht.

Dann fragt mich meine Partnerin und ich antworte als Picasso.

7. Bewertung und Auswahl

Wie bei allen Kreativ-Techniken erfolgt anschließend die Auswahl.
Jeder schaut sich seine Liste an und wählt die Vorschläge aus, mit denen er weiterarbeiten möchte oder daran weiter denken möchte.

8. Austausch

Wenn Zeit und Interesse ist, können sich die Paare noch kurz austauschen, oder Sie führen eine kurze Runde mit der gesamten Gruppe durch. Da werden dann nicht noch einmal inhaltlich alle Ideen genannt, sondern nur über die Methode gesprochen, wie die Teilnehmer sich in den anderen Rollen gefühlt haben und ob es etwas gebracht hat an neuen Ideen.

Trainer-Hinweis

Natürlich sind es letztendlich die eigenen Ideen, die jemand nennt – und manche Teilnehmer melden auch anschließend zurück, dass ihnen das schwer gefallen ist, weil sie ja so wenig über die andere Person wissen.

Das ist aber auch gar nicht erforderlich. Die Konzentration auf eine andere Person soll lediglich bewirken, so auch noch neue Aspekte zu sehen und vor allem freier seine Ideen zu äußern. Als jemand anders geht das oft leichter. Und es bekommt durchaus oft auch einen anderen Touch. Man denkt plötzlich einfacher oder humorvoller oder kriegerischer – je nachdem, wen man darstellt.
Es geht überhaupt nicht darum, das zu sagen, was diese Person sagen würde.

Ermutigen Sie die TN, das Ganze auch ruhig spielerisch anzugehen.

 

2. Variante

In dieser zweiten Form gibt man sich quasi selbst die Antwort. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass es in jedem von uns einen weisen Teil gibt, eine innere Stimme, die am besten weiß, was für uns gut ist. Nur oft ignorieren wir sie oder unterdrücken sie, nehmen sie gar nicht wahr durch die vielen Aktivitäten, die wir darüber knallen.

Die ersten 5 Punkte sind gleich, der Übersicht halber schreibe ich hier aber noch mal alle hintereinander auf.

1. Themenformulierung

Jeder formuliert und notiert ein Problem, zu dem er eine Lösung möchte oder zumindest Hinweise oder Ratschläge.

Erst dann wird der weitere Verlauf erklärt.

2. Paare bilden

Es werden Paare gebildet, ganz zufällig, die Teilnehmer (TN) müssen sich nicht kennen.

3. Auswahl von 3 Persönlichkeiten

Jeder TN bekommt das Arbeitsblatt, auf dem Namen vieler bekannter Persönlichkeiten stehen: Schauspieler, Maler, Politiker, Sportler, historische Persönlichkeiten. Lebende und verstorbene.

Jeder wählt nun relativ flott drei Persönlichkeiten für seinen Partner aus.

4. Vorstellung und Auswahl

Man teilt dem anderen die drei ausgewählten Persönlichkeiten mit und er wählt sich eine davon aus. Ich wählte beispielsweise Picasso.

5. Vorstellungsrunde

Im Seminar sollen sich danach kurz alle Teilnehmer mit ihrer neuen Identität vorstellen mit der Formulierung: „Ich bin …Picasso!“

6. Nun beginnt das kreative Brainstorming:

Nun schreibe oder spreche ich selbst als Picasso und gebe mir selbst Hinweise, was mir Picasso vielleicht raten würde.

Wenn die Methode in einem Seminar durchgeführt wird, kann dieser Teil auch mündlich erfolgen und der Partner schreibt die eigenen Ideen auf.

Wenn Sie die Übung alleine machen, schreiben Sie für sich selbst ihre Picasso-Ideen auf.

Natürlich kann man auch im Seminar die Teilnehmer die Übung schriftlich machen lassen.

7. Bewertung und Auswahl

Wie bei allen Kreativ-Techniken erfolgt anschließend die Auswahl.
Jeder schaut sich seine Liste an und wählt die Vorschläge aus, mit denen er weiterarbeiten möchte oder daran weiter denken möchte.

8. Austausch

Wenn Zeit und Interesse ist, können sich die Paare noch kurz austauschen, oder Sie führen eine kurze Runde mit der gesamten Gruppe durch. Da werden dann nicht noch einmal inhaltlich alle Ideen genannt, sondern nur über die Methode gesprochen, wie die Teilnehmer sich in den anderen Rollen gefühlt haben und ob es etwas gebracht hat an neuen Ideen.

Auswertung

In einem Seminar mit Trainern, wo ich diese Methode das erste Mal ausprobiert habe, kam das erstaunliche (und auch erfreuliche) Ergebnis heraus:

Die meisten Antworten waren gar nicht soo weit entfernt von dem, was man sich selber gesagt hätte. Aber: sie waren viel schlichter, eindeutiger, klarer – ohne jede Schnörkel! Dadurch wurde viel deutlicher, was man sonst an möglichen Ausreden und Ausflüchten konstruiert, statt einfach das Nahe liegende zu tun.

Das Hineinschlüpfen in die Rolle einer anerkannten oder bewunderten Persönlichkeit macht es viel leichter, radikal zu sein. Die Äußerung bekommt auch mehr Gewicht.

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Die Liste der Persönlichkeiten können Sie sich hier bestellen.