Das Feuer der Erstbegeisterung nutzen

Als Kind sind wir noch sehr spontan. Wir sind von etwas begeistert und legen sofort los, wenn wir denn gelassen werden. Später lernen wir dann Bedürfnisaufschub. Es ist unreif, etwas sofort haben oder tun zu wollen. Wir müssen uns gedulden!

Aber müssen wir das wirklich? Sind das nicht völlig bekloppte Regeln oder Glaubenssätze, die uns die Begeisterung nehmen und uns künstlich zurückhalten, bis auch jegliche Freude verschwunden ist?

Kindheitserinnerungen

Aus meiner Kindheit erinnere ich mich an so komische Regeln. Ich mochte den 4. Satz einer Dvorak-Sinfonie (Aus der neuen Welt), musste aber vorher erst alle 3 anderen Sätze mit meinem Vater anhören. Das geht nicht, dass man nur Teile einer Sinfonie rauspickt, das war so was wie Blasphemie!
Das scheint mir symptomatisch zu sein. Man muss erst eine Weile durchleiden oder sich anstrengen oder sich langweilen, auf jeden Fall in Geduld üben, bis man endlich belohnt wird.

Andere Beispiele: Ich habe mir irgendwann angewöhnt, die leckersten Bissen bis zum Ende aufzuheben. Und erst mal das zu essen, was ich nicht so mag. Was für ein Unsinn. Am Ende war das tolle dann kalt. Und ich vielleicht auch schon satt. (Und die Frage: „Wer hat etwas davon?“ stelle ich mir erst gar nicht J).

Oder ich kaufe ein neues Kleidungsstück „für gut“. (In meiner Kindheit gab es noch Sonntagskleider, die wir nur sonntags in der Kirche und zu Hause anziehen durften). Hänge es in den Schrank, denn es ist ja „zu gut“ für den normalen Alltag. Und da gammelte es dann oft genug herum, bis ich es gar nicht mehr so doll fand.

Wir leben JETZT

Man könnte endlose Beispiele bringen, ich bin sicher, Ihnen fallen auch etliche ein. Das krasseste ist eben, das Leben auf die Zeit nach der Rente zu verschieben. Dann… machen Sie eine Weltreise, ruhen sich mal aus, pflegen Ihr Lieblingshobby…

Vielleicht kommt es aber dann auch gar nicht mehr dazu. Sie haben nicht das nötige Geld, sind krank oder müssen jemanden anderen pflegen oder es reizt Sie jetzt gar nicht mehr oder… Selbst wenn Sie es dann wirklich machen, aus welchem Grund haben Sie es sich nicht schon vorher gegönnt? Mit 30 und 40 und 50 Jahren?

Doofe Glaubenssätze

Irgendwie bekommen wir so eine Regel eingetrichtert, die mit Verzicht und Aufschieben und Geduld zu tun hat.
Bevor du was Schönes machst, musst du erst einmal durch mühevolle Zeiten hindurch. DANN dürfen wir uns belohnen.

Warum darf ich nicht schon vorher schöne Dinge tun? Das, was mir Spaß macht, mich glücklich macht und mich erfüllt? Wer hat etwas davon, wenn ich leide oder verzichte, mich abrackere etc.
Es gibt da so Glaubenssätze: „Nur dann bin ich ein ‚wertvoller‘ Mensch, wenn ich mich anstrenge und abrackere“. Warum um Himmels willen?
Warum bin ich weniger wertvoll, wenn ich beispielsweise eine Arbeit tue, die mir Spaß macht und die mir leichtfällt? Wahrscheinlich bin ich dann sogar richtig gut und kann meine Teilnehmer oder Kunden viel besser inspirieren und ihnen helfen, als wenn ich mich sauer durch den Tag kämpfe.

Erstbegeisterung

Zurück zum Thema Erstbegeisterung. Ich lese über ein tolle Buch – und bestelle es spontan und fange sofort an zu lesen, wenn ich es bekomme. Und bin begeistert, es passt gerade so gut.

Ich stolpere über eine Fortbildung, wo es direkt in meinem inneren sirrt und summt. Auja!
Klar, hier muss ich dennoch erst mal schauen: Passt der Termin? Habe ich Zeit dafür? Stimmt der Preis für mich? Aber dann: Jippieh, hinein!

Ich habe für heute geplant, ein bestimmtes Seminar vorzubereiten und dann kommt mir plötzlich eine Idee für einen Blogbeitrag zugeflogen. Wenn es zeitlich möglich ist (also das zu planende Seminar nicht am nächsten Tag stattfindet) ist es bei mir immer sinnvoll, den Beitrag sofort zu schreiben. Denn dann fließt es erfahrungsgemäß, ich weiß, welcher Funke mich da gerade anflog und bin mitten drin und voll dabei. Das Schreiben macht so außerdem noch Spaß und ist nicht mühselig.

Wenn ich stattdessen nur die Idee, den Arbeitstitel aufschreibe und es Tage später wieder hervorhole, gelingt es mir selten, in so einem Flow zu schreiben. Oft erinnere ich mich gar nicht mehr, WAS ich da eigentlich genau im Sinn hatte. Aber vor allem ist das Feuer weg.

Das sind nun alles Situationen, wo ich selbst entscheide.
Mir sind aber oft eben auch Situationen begegnet, wo andere mich bremsen wollten. Bei Fortbildungen, wo etwas angekündigt wurde, ich direkt begeistert war und dann kam: „Das kommt aber erst später. Du musst noch warten!“ Kreisch! Da fühle ich mich wie ein kleines Kind behandelt, vor allem wenn es ohne nähere Erklärung und Begründung nur so gesagt wird.

Nutzen Sie das Feuer, das in Ihnen brennt

Wenn Sie also von einer Idee begeistert sind, von einem Projekt oder auch nur einer kleinen Sache, dann nutzen Sie diese Begeisterung und Freude. Gönnen Sie sich, sich auch bei der Arbeit im Flow zu fühlen, andere mitzureißen oder einfach nur Spaß zu haben.
Es gibt Ihrem Leben Würze und bringt Ihre Arbeit zum Funkeln, so dass auch alle anderen davon profitieren. Falls Sie Angst haben, dass das sonst zu egoistisch sei. Auch das ist ein blöder Glaubenssatz, den Sie getrost in den Müll schmeißen können.

Sie dürfen Spaß haben, an dem was Sie tun und Ihre Mitmenschen auch!

 


Kommentare

Das Feuer der Erstbegeisterung nutzen — 2 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel! Das kenne ich gut, dass man Ideen gleich umsetzen muss, sonst sind sie oder der Flow weg . Und deshalb mach ich das ebenfalls. Allerdings muss ich manchmal etwas aufpassen, dass die wenigen aber nötigen ungeliebten Dinge nicht auf der Strecke bleiben… Und das tolle Himbeerdressing im Kühlschrank für „Besonders“ muss auch noch weg…;-)
    Schöne Grüße!

  2. Liebe Friederike,

    ja, das stimmt. Ich erlebe aber oft, wenn ich dann mit Begeisterung zum Beispiel einen Beitrag geschrieben habe, der gar nicht geplant war, habe ich nachher auch einen ganz anderen Elan, die geplanten Aufgaben zu erledigen. Sie bleiben daher gar nicht auf der Strecke, sie werden halt nur etwas verschoben.
    Und es sind ja oft gar keine ungeliebten Dinge, das neue war halt nur spontan dazu gekommen. Und da muss ich eben checken, geht das zeitlich jetzt, dass ich das dazwischen schiebe, ohne dass etwas Wichtiges hinten runter fällt oder muss ich mich nur von meinem „inneren Programm“ lösen, dass da sagt: „Nein, das darfst du nicht, du hattest xy geplant.“ Obwohl es eigentlich ziemlich schnups ist, ob ich erst B und dann A mache.

    Ich bin so ein Mensch mit vielen inneren Programmen (noch :-)), da ist es gut, die zu hinterfragen und zu sagen: „Pffft, jetzt mache ich aber lieber den Blogbeitrag!“ Der mir dann doppelt so leicht und so schnell von der Hand geht, als wenn ich ihn erst übermorgen schreibe, wo er laut Plan hingehört.

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