Booh, ich hab Schiss

Es gibt hin und wieder Situationen in einer Trainerkarriere, wo uns die Muffe geht. Weil es ein ganz neuer Kunde ist, ein sehr großes Unternehmen, eine neue Zielgruppe von einer Ebene, die wir bisher noch nicht bedient haben (Vorstände, Direktoren) oder oder…

Ich erinnere mich noch sehr gut an mein allererstes selbstakquiriertes Firmenseminar.
Vorher hatte ich zwar schon viele Jahre Seminare durchgeführt, für Lehrer, Ausbilder und Sozialpädagogen in der beruflichen Ausbildung. Aber noch nicht in Unternehmen.

Und nun hatte ich einen Auftrag für eine ganz neue Zielgruppe. Das Thema „Zeitmanagement“ hatte ich zwar schon öfter durchgeführt, aber nicht mit Mitarbeitern eines solch großen Logistikunternehmens.

Die Personalentwicklerin hatte bei mir  ein Coaching gemacht und mich gefragt, ob ich solch ein Seminar für Ihre Mitarbeiter durchführen würde. Die Teilnehmer waren nur Männer und die arbeiteten unter Bedingungen, wo klassisches Zeitmanagement alleine nicht hilft.

Ich war schlicht und ergreifend höllenaufgeregt. Ich habe es wirklich wochenlang vorbereitet und ich weiß nicht, wieviele schlaflose Nächte ich hatte.

Ergebnis

Das Seminar ist sehr gut gelaufen! Es hat mir Mut gemacht für meine weiteren Seminare, weil ich mich trotz aller Ängste getraut habe, genau so zu arbeiten, wie ich auch vorher gearbeitet habe. Mit Aktivierungen und Spielen,  mit kreativen Seminarmethoden – und eben sehr viel Vorbereitung.

Hilfreiche Strategien

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Neues ausprobieren – im Cafe schreiben

Ich habe ja für mich alleine mein Mut-Muskel-Training #MuMuT wieder aufleben lassen: Jeden Tag etwas Neues auszuprobieren oder eine Gewohnheit zu durchbrechen.

Heute Abend habe ich dann gleich mehrere neue Dinge ausprobiert- und das Ergebnis wird sich während des Schreibens zeigen.

Es gibt Menschen, die gerne in Cafes arbeiten, Trubel und Menschen um sich herum genießen.
Ich hingegen brauche in der Regel Ruhe und genieße die idyllische Stille meines 13-Häuser Dorfes.

Nun bin ich ja schon länger wieder in der Türkei und habe dort 3 Wochen im Hotel-Garten diverse Online-Seminare gegeben.

Heute bei meiner nachmittäglichen Runde kam mir dann eine Idee. Ich habe hier ein sehr nettes Cafe „entdeckt“, dass ja sogar die Startseite dieser Webseite ziert. Dort habe ich schon neulich abends mein erstes Bier getrunken und noch länger nett da gesessen, nachdem meine Freunde schon weg waren.

Vielleicht kann ich ja hier auch arbeiten?

Erst einmal die Stromverbindung gecheckt. Wunderbar, es gibt Steckdosen. Ebenso W-Lan. Daher habe ich mein Laptop geschnappt und bin testweise ins Cafe. Pizza und Bier bestellt – wenn schon, denn schon!

Ich werde sehen, wie erfolgreich der Versuch wird. Ob ich beflügelt doppelt so viel und so schnell schreibe – oder ob ich es als netten Versuch erlebe, der keine Wiederholung braucht. Wir werden sehen…

Auf jeden Fall bin ich jetzt schon zu Beginn stolz und froh, dass ich es getan habe. Mein Laptop hergeschleppt, mir den Tisch näher an die Steckdose gezogen, ein Kissen für höheres Sitzen besorgt und nun auf die Pizza wartend. 🙂

Das Experiment ist offensichtlich geglückt. Im nächsten Newsletter lesen Sie einen der Blogbeiträge, die ich hier geschrieben habe.
Auf das Bier werde ich beim nächsten Mal verzichten, das vertrag ich einfach nicht, werde zu schnell blau :-).
Doch im Sinne von #MuMuT besteht der Erfolg vor allem darin, dass ich mich aufgerafft habe und etwas Neues ausprobiert habe. Wenn ich dann noch eine tolle neue Sache für mein weiteres Leben entdecke UND noch gute Blogbeiträge dabei herauskommen, dann habe ich einen dreifachen Gewinn.

Langweilig – Immer wieder das gleiche Thema

Das nächste Training steht vor der Tür! Sie schauen in Ihren Kalender und bekommen das große Gähnen. Das Thema machen Sie nun schon viele Jahre, genau so und nicht anders.

Das innere Feuer ist längst verflogen.

Klar, das Thema ist wichtig und für Ihre Teilnehmer auch hilfreich und Ihre Kunden buchen Sie Jahr und Jahr genau für das Thema. „Grundlagen der Gesprächsführung“ oder „Effektive Meetings“ oder „Zeitmanagement“.

Ihr Versuche, mal ein anderes Thema anzubieten, haben nicht gefruchtet. Nein, das Thema sei sehr wichtig und käme doch immer so gut an. Also lassen Sie sich wieder drauf ein.
Doch wirkliche Freude macht es Ihnen schon lange nicht mehr

Was können Sie tun?

Hier sind einige Vorschläge, die Sie vielleicht auf neue Ideen bringen. Oder die Sie auf eigene andere Ideen bringen, so dass Sie beim nächsten Seminar nicht mehr innerlich gähnen müssen.

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Eigentlich ist das gar nicht mein Thema

Ein  Kunde ruft Sie an oder schickt eine E-Mail und fragt Sie nach einem Seminar. In der Regel freuen Sie sich, wenn solche Anfragen kommen, das erspart Akquise und Marketingaktivitäten.

Doch in dem konkreten Fall schlucken Sie erst einmal.
Wie kommt er gerade auf Sie? Das ist doch gar nicht Ihr Thema?
Wenn es ein bekannter Kunde ist, rufen Sie vielleicht an und versuchen es im Gespräch zu klären.
„Ach, das können Sie bestimmt auch! Wir waren bisher so zufrieden mit Ihnen, wir würden Sie gerne auch für dieses Thema einsetzen.“

Lob ist immer schön und vielleicht lassen Sie sich da einwickeln. Vielleicht bitten Sie zumindest um Bedenkzeit und fangen dann an zu grübeln.

Phh, wieso nicht?

Dabei können dann solche Gedanken kommen:
„Och, der XY bietet das Thema auch an- und der ist bestimmt nicht besser als ich.“
„Ich kann mich da sicher einarbeiten. So kompliziert wird es schon nicht sein. Und die zwei Tage bekomme ich sicher schnell rum.“
„Ach, mit ein wenig gesundem Menschenverstand bekommt man das sicher hin. So schwer kann das ja nicht sein.“

Mit solchen Argumenten tun Sie sich und Ihrem Kunden sicher keinen Gefallen. Vor allem, wenn ein mulmiges Gefühl im Magen bleibt und Sie sich so ein klein wenig wie ein Hochstapler fühlen. Das ist meist ein gutes Indiz, dass das nicht eins Ihrer Sternstunden an Seminaren wird.

Das wollte ich ja immer schon mal…

Wenn hingegen die Idee aufleuchtet: „Ach, das Thema finde ich super interessant, da möchte ich mich gerne einarbeiten“ oder „Das Thema wollte ich ohnehin langfristig in mein Programm aufnehmen“ und Sie zudem genug Zeit haben, so ein neues Seminarkonzept zu entwickeln, dann können Sie es natürlich tun.

Die Kohle könnte ich gut brauchen

Es kann aber auch der Gedanke da sein: „Es ist zwar wirklich nicht mein Thema, aber ich kann das Geld gut gebrauchen. Ich habe eh noch nicht genug Aufträge.“

Das führt sicher nicht dazu, dass Sie fröhlich und entspannt zum Seminar fahren, sondern eher mit einem mulmigen Gefühl im Magen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es?

1. Sie sagen ganz klar ab

Sie sagen Ihrem Kunden, dass das nicht Ihr Thema ist und Sie auch keine Zeit (oder Lust) haben, sich da jetzt gründlich genug einzuarbeiten.
Vielleicht können Sie eine kompetente Kollegin empfehlen? Damit machen Sie gleich zwei Menschen eine Freude: Ihrem Kollegen und Ihrem Kunden. Nein, noch mehr. Auch den Teilnehmern.

Und nein, Sie verlieren keinen guten Kunden, nur weil Sie ein Thema nicht übernehmen. Im Gegenteil, Sie gewinnen wahrscheinlich die Wertschätzung Ihres Kunden, weil er sieht, dass Sie seriös sind und ganz klar bei dem sind, was Sie tun.
Wenn Sie ihn zudem nicht hängen lassen, sondern jemanden empfehlen, wird das doppelt positiv auf Sie zurück fallen und er wird Sie weiterhin auch zu „Ihrem Thema“ buchen.

2. Sie handeln genug Zeit zur Erarbeitung aus

Wenn Sie das Thema wirklich neu aufnehmen wollen, dann brauchen Sie ausreichend Zeit für die Vorbereitung. Schauen Sie, ob Sie die Zeit zur Verfügung haben und handeln Sie einen entsprechend späten Seminartermin aus.

3. Sie suchen sich einen Kooperationspartner

Wenn Sie wirklich Interesse an dem Thema haben, können Sie auch eine Kollegin oder einen Kollegen suchen, die das Thema schon anbieten. Und diese fragen, ob sie das Seminar mit Ihnen zusammen machen wollen.

4. Sie arbeiten sich in ein neues Thema ein

Sie arbeiten sich in das neue Thema ein, so wie Sie es auch für Ihre anderen Themen gemacht haben. Indem Sie Literatur durcharbeiten und selbst Fortbildungen zum Thema machen.

Das lohnt sich aber nur, wenn Sie das Thema dann weiterhin anbieten wollen.

5. Sie ziehen es irgendwie durch

Wenn Sie eigentlich kein Interesse am Thema haben und auch nicht genügend Zeit, sich vernünftig einzuarbeiten, dann stoppeln Sie halt was zusammen und kaschieren es mit Ihrer langjährigen Trainer-Erfahrung. Beißen Sie die Zähne zusammen und sagen sich, es sind ja nur zwei Tage.
Lassen Sie während des Trainings einen innerlichen Counter laufen, der Ihnen immer anzeigt, wieviel Geld Sie schon verdient haben: 100€, 200€…
Machen Sie viele Arbeitsgruppen, wo die Teilnehmer sich selbst die Themen erarbeiten müssen ( die Sie nicht wirklich beherrschen).

NEIN, das meine ich natürlich nicht ernst! Das möchte ich Ihnen und Ihrem Kunden nicht zumuten.

6. Sie holen sich Unterstützung

Ich habe schon Trainer im Coaching gehabt,  die mit mir zusammen relativ flott ein neues Seminarkonzept entwickelt haben mit kreativen und interaktiven Methoden. Sie haben dafür natürlich Zeit und Geld investiert – und anschließend zwar aufgeregt, aber dennoch mit Freude und vor allem mit Erfolg das neue Training durchgeführt.

Das lohnt sich sicher nur, wenn Sie das Thema auch öfter anbieten möchten oder der Auftrag/ der Kunde sehr wichtig für Sie sind.

Resümee

Ich empfehle Ihnen also: lassen Sie sich nur auf ein neues oder fremdes Thema ein, wenn es Sie wirklich interessiert und Sie auch Zeit und Freude haben, sich da einzuarbeiten. Denn sonst geht es auf jeden Fall nach hinten los. Schlimmstenfalls setzen Sie das Seminar in den Sand und enttäuschen oder verärgern einen guten Kunden oder verlieren einen neuen Kunden, der Sie nie mehr buchen wird.

Aber vor allem wird es Ihnen selbst nicht gut tun. Sie fühlen sich mies, es kratzt an Ihrem Selbstwertgefühl, es macht Ihnen keinen Spaß, sondern das Seminar wird anstrengend und Sie leisten Schwerstarbeit. Und fahren mit keinem guten Gefühl nach Hause und brauchen Zeit, um sich moralisch wieder aufzurüsten.

Sie haben genug Themen, in denen Sie wirklich gut sind und die Ihnen Freude bereiten. Und wenn diese Ihnen nicht mehr genügen, dann arbeiten Sie sich in ein neues Thema ein, das Sie interessiert und zu Ihnen passt. Alles andere geben Sie ab.

So haben Sie weiterhin ein klares Profil, mit dem Sie nach außen sichtbar sind, können als Experte in Ihrem Thema auftreten und machen die Arbeit, die Ihnen Freude macht. Das ist doch unser aller Ziel – oder?

 

Buntes Zauber-Cafe

Letztes Jahr schon hatte ich den bunten Zaun fotografiert, war aber aus mir unerfindlichen Gründen nie in dieses Cafe gegangen.

Als ich Mitte April hier ankam, war der Zaun weg und das Cafe gänzlich unmöbliert. Doch Tag für Tag wurde gewerkelt und getan – und als ich dann vor einigen Tagen morgens vom Yoga am Strand zurück kam und die Morgensonne dorthin schien, da nahm ich es erst so richtig wahr.

Ich zückte mein Handy und begann von außen Fotos zu machen. Da tauchte eine junge Frau auf und meinte, ich könne gerne reinkommen und dort weitere Fotos machen. Au ja! Ob sie mich in all der Buntheit fotografieren solle? Noch mal ja.

So entstanden die ersten Fotos und ich war völlig im Farbrausch.

Sie lud mich noch ein, jederzeit einen Tee oder Kaffee trinken zu kommen, als Einladung.

Am Nachmittag ging ich dann dorthin, um es mal zu testen. Blick aufs Meer und um mich herum Farben, Farben, Farben. Tausend Kleinigkeiten, liebevoll arrangiert.

Ich probierte eine Bank aus, wanderte dann aufs Kösk. Am nächsten Tag ging ich dann mittags nach dem Webinar dort essen und saß am Tisch. Die Speisekarte war Handarbeit. Die hatte Yasemin im Winter gebastelt und mit der Hand geschrieben. Das nenne ich Hingabe.

Alle waren total herzlich und freundlich. Beim nächsten Mal werde ich den Capuccino testen und vielleicht sogar ein Stück Kuchen?

Selbst die Teegläschen sind anders.

Der Rahmen ist auf jeden Fall entzückend, für mich ist es ein Märchen-Zauber-Garten. Von allem viel zu viel – aber ich freue mich an der bunten Fülle!

 

 

Free

Bei meiner Runde ums Dorf begegnet mir dieses Schild mit Kisten voller Orangen. Gegen Abend sind sie schon zum größten Teil leer.
Gerade kommt eine Frau mit dem Fahrrad vorbei, eine Touristin, dreht, kommt zurück, nimmt sich einige Orangen und ruft dem Mann in Garten ein herzliches Danke schön zu.

Ich gehe wieder mit einem Lächeln weiter und freue mich, einer weiteren freundliche Alltagsgeste begegnet zu sein.

Begeistert ins Training

Wenn ich bei Facebook Posts von Trainer-Kolleginnen und Kollegen lese, dann freuen sie sich immer total auf ihre Seminare, haben supertolle Teilnehmer und die Trainings und Seminare laufen auch nur supertoll und erfolgreich.

Aber ist das die Realität? Hat nicht jeder Trainer auch schon mal erlebt, dass ein Seminar in die Hose geht? Oder dass sie sich nicht auf ein Seminar freut, sondern vorher dachte: „O je, schon wieder das nächste Training. Ich hätte gerne mal eine Pause!“ Oder Schiss hatte vor einem neuen Auftrag oder Kunden?

Ich habe das jedenfalls alles schon mal in meiner 37jährigen Trainer-Karriere erlebt. Und mir daher auch entsprechende Strategien überlegt.

Falls Sie also nicht nur immer jubelnd zum nächsten Seminar fahren, interessieren Sie vielleicht diese Tipps, die Sie mental und auf andere Weise positiv auf Ihr nächstes Training einstimmen, auch wenn es vielleicht erst mal nur Gründe für gedämpfte Freude gibt.

Welche Strategien passend sind, hängt natürlich auch von den Gründen ab. Daher erst einmal eine Übersicht, was Gründe sein können, weshalb Sie zumindest mit gemischten Gefühlen zum Training fahren oder sich regelrecht aufraffen müssen.

Mögliche Gründe, warum Sie sich nicht so wahnsinnig auf Ihr nächstes Training freuen

  1. Sie hatten zu viele Trainings dicht hintereinander und brauchen erst mal eine Pause.
  2. Sie haben das Thema nun schon so lange und so oft gemacht, dass es Sie langweilt, wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind.
  3. Es ist nicht wirklich „Ihr Thema“, aber Sie haben sich beschwatzen lassen. Weil Sie das Geld brauchen oder wollten, weil Sie einen alten Kunden nicht enttäuschen wollten oder…
    Eigentlich ist das gar nicht mein Thema
  4. Es ist ein neuer Kunde/ neues Thema/ neue Zielgruppe – und Sie haben ziemliches Lampenfieber oder sogar richtig Schiss.
  5. Der Grund liegt außerhalb der Seminare. Sie haben beispielsweise gerade andere Sorgen, gesundheitliche Probleme, in der Familie gibt es Probleme, Ihre Wohnung ist gefährdet – was auch immer.
  6. Sie machen gar nicht mehr gerne Präsenzseminare und finden das Herumreisen und Übernachten in Hotels nur noch ätzend.
  7. – Hier können Sie einen weiteren Grund eintragen – ….

Strategien

Es ist naheliegend, dass die unterschiedlichen Gründe ganz unterschiedliche Strategien erfordern.
Ich werde daher für jeden dieser Gründe und dazu passenden Strategien einen eigenen Beitrag schreiben.

Lesen Sie hier meinen Beitrag zu Punkt 1. Sie hatten zu viele Trainings dicht hintereinander und brauchen erst einmal eine Pause.

 

Zu viele Trainings hintereinander

Wie hier beschrieben untersuche ich Gründe, die Ihre Begeisterung für Ihre Seminare und Trainings einschränken können und zeige Ihnen Strategien, wie Sie damit umgehen können. Damit Sie wieder Freude an Ihren Trainings erleben können.

Grund 1

Sie hatten zu viele Trainings dicht hintereinander und brauchen erst mal eine Pause.

Auf den ersten Blick erscheint die Lösung ganz einfach: Weniger Termine vereinbaren. Doch vielen Trainerinnen fällt das ungeheuer schwer. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Diese können sein:

1. Sie möchten nicht auf das Geld verzichten.

Das sind nicht einmal immer Trainer, die sich so gerade durchwurschteln und das Geld dringend brauchen. Im Gegenteil. Eine Kollegin hat mir mal ganz offen gesagt: Sie findet es einfach klasse, dass sie so viel verdient und sich dadurch eine Menge leisten kann.

Da bleibt nur die Frage: Hat sie noch Zeit dazu, das Geld wirklich zu genießen? Und vor allem, wenn sich schon gesundheitliche Stresssymptome zeigen. Lohnt es sich? Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Und daher fängt die Strategie schon vorher an:

2. Keine vernünftige Planung

Um sinnvoll planen zu können, ist es hilfreich sich klar machen, was die eigenen Werte sind und das eigene Lebenskonzept.

Will ich möglichst viel Geld verdienen und nehme daher alles, was ich an Aufträgen bekommen kann?
Oder ist mir meine Gesundheit und eine bestimmte Menge an Zeit für mich und meine Familie wichtiger?

Ich muss da also eine grundsätzliche Entscheidung treffen. Wenn die einmal getroffen ist, kann ich auch klarer und eindeutiger auf solche Anfragen reagieren.

Geschäfstvereinbarungen mit sich selbst.

Diese Idee habe ich mal vor vielen Jahren von einer Kollegin übernommen und sie macht es wirklich leichter.
Sie legen darin fest, wieviele Trainigstage im Monat Sie maximal übernehmen.
Ich persönlich habe dort vor allem angegeben, wieviel Zeit zwischen zwei Trainings liegen muss. Denn ich weiß inzwischen, dass es mich ungeheuer anstrengt, wenn sie zu dicht hintereinander liegen.

Es kann sogar bedeuten, dass ich festlege: nach jedem Training mace ich einen Tag komplett frei! (Das schaffe ich leider noch nicht, ist aber ein Ziel).

3. Scheinbare Ausnahmen werden zur Gewohnheit

Wenn Sie diese Dinge für sich geklärt haben, wird es Ihnen nicht mehr passieren, dass Sie den Kalender komplett zuknallen. Sie werden zumindest sehr genau überlegen, ob Sie einen Auftrag annehmen, der zu dicht hinter dem nächsten Training liegt. Das kann ich Ausnahmefällen mal Sinn machen, aber eben wirklich nur als Ausnahme.

Beispiel

Hier ein Beispiel von mir, wo ich eine Ausnahme gemacht habe.

Ich bin ja drei Monate im Jahr im Auslang, wo ich nur Online-Seminare durchführe, daher bleibt für die Präsenzseminare weniger Zeit. Trotzdem bin ich da in den restlichen Monaten sehr konsequent und habe vor allem in den letzten Jahren systematisch drauf hin gearbeitet, dass ich auch mehr Termine im Sommer habe und sich nicht alles im November knubbelt. Im Sommer habe ich mehr Energie, die Tage sind länger hell, so dass man auch abends noch etwas vom Seminarort sehen kann etc.

Alleine der Fokus und der Vorsatz haben schon geholfen, da auch mehr Termine zu bekommen. Daher ist es wichtig, sich das vorher überhaupt bewusst zu machen.

Bei Seminarterminen bin ich da auch ziemlich unbeugsam. Wenn mich ein Kunde buchen will, dann werden wir auch einen Termin finden können, der uns beiden passt. Und wenn da schon ein Termin festgelegt ist, der mir nicht in den Plan passt, dann sage ich nicht zu. Ja, das geht. Man kann sagen, dass man zu diesem Zeitpunkt nicht kann!

Wie gesagt, Seminartermine sind grundsätzlich durchaus flexibel. Etwas anderes ist beispielsweise ein Kongress, zu dem ich als Referentin angefragt bin.

Da lässt sich am Termin nichts ändern und da muss ich schauen, wie wichtig er mir ist oder wieviel ich mir davon verspreche. Interessiert er mich selbst auch sehr? Freue ich mich, dort andere Trainer-Kollegen zu treffen? Habe ich die Erfahrung, dass ich darüber immer neue Kunden gewinne, wenn ich dort einen Workshop gebe?

Danach entscheide ich es bewusst – und mache vielleicht auch eine Ausnahme.

4. Sie wollen Ihren Kunden nicht enttäuschen

Sie freuen sich natürlich, wenn Kunden Sie immer wieder buchen, weil Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden sind. Und wenn der Kunde dann (scheinbar) nur an einem bestimmten Termin kann, dann lassen Sie sich doch breitschlagen. Sie wollen nicht zickig erscheinen oder unflexibel oder wenig entgegenkommend.

Aber überlegen Sie mal: Wenn Sie zu dem Termin schon ein anderes Training hätten, dann würde Sie doch auch ganz klar sagen: Tut mir leid, zu dem Termin kann ich leider nicht.

Sie selbst wissen ja auch, dass Ihre Arbeit nicht nur aus den Seminaren selbst besteht. Sie müssen diese vorbereiten und nachbereiten, Sie machen Marketing und Verwaltung, Sie besuchen Fortbildungen und lesen Fachliteratur. Damit Sie eben gute Seminare machen können. Das alles gehört zu Ihrer Arbeit und dafür müssen Sie sich nicht rechtfertigen.

Sie brauchen Ihrem Kunden ja auch nicht zu sagen: „Nein, das ist mir zu dicht am letzten Seminar, ich brauche dazwischen…x… Tag!“ Sondern Sie sagen einfach, dass Sie zu dem Termin nicht können. Was auch stimmt.

Und wenn der Kunde Sie wirklich schätzt, wird er entweder einen neuen Termin finden oder Sie beim übernächsten Mal trotzdem wieder anfragen.

5. Sie haben ein schlechtes Gewissen

Sie gestehen sich selbst nicht zu, dass Sie zwischen Seminaren eine Pause brauchen, Zeit, um in Ruhe die Nacharbeit zu machen, sich von dem Seminar zu erholen.

Es ist etwas anderes, ob ich 8 Stunden intensiv im Büro arbeite oder 8 Stunden ein Training halte. Auch wenn es mir Spaß macht und ich tolle engagierte Teilnehmer habe, es ist einfach sehr viel intensiver und kostet mich mehr Energie. Ich merke das erst nach dem Seminar, wenn ich im Zug sitze und wie bei einem Luftballon die Luft entweicht. Ich schlafe in Hotels auch nicht so gut und intensiv wie in Seminaren (haha, das ist so ein netter Verschreiber, auf den mich eine Leserin per Mail hinwies, dass ich ihn stehen lasse. Gemeint ist natürlich nicht so gut wie zu Hause 🙂 ), kann dort nicht nach meinem Rhythmus den Tag gestalten und meine Pausen so machen, wie ich sie brauche.

Das alles müssen Sie sich aber erst einmal eingestehen. Und zuvor erst einmal wahrnehmen, wie das bei Ihnen aussieht.
Mir hat da vor vielen Jahren ein Buch geholfen „Verena Steiner:Energiekompetenz“ und jetzt aktuell  das Buch „Sylvia Löhken:Leise Menschen, starke Wirkung“.

Diese Bücher haben mir geholfen, zu akzeptieren, dass ich zu meiner Regeneration bestimmte Pausen und Rhythmen brauche. Und Sie haben mir auch gezeigt, dass ich damit auch nicht alleine bin.

Es ist ja auch im Sinne Ihrer Kunden, dass Sie in Ihren Trainings fit und wach und konzentriert sind und nicht aus dem letzten Loch pfeifen und es nur so gerade hinter sich bringen.

6. Sie denken, das sei normal

Sie sind vielleicht noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass Sie nicht jede Anfrage annehmen und jedes Seminar machen müssen, nach dem Sie gefragt werden. Sie sind ein hilfsbereiter Mensch und springen sofort ein, wenn Sie angefragt werden.

Dann lernen Sie nun auch einmal an sich zu denken und zu schauen: Passt es mir überhaupt? Will ich nicht auch mal etwas Luft zwischen den Seminaren haben?
Was bleibt stattdessen dann auf der Strecke?
Und schauen sich Ihre Werte und Ihr Lebenskonzept einmal bewusst an (siehe Punkt 2) und sind zukünftig bewusster bei Ihrer Zusage – oder auch mal Absage.

7. Ihr innerer Antreiber hat Sie im Griff

„Am 7. Tage sollst du ruhn!“ ist spurlos an Ihnen vorüber gegangen. Sie dürfen nicht ruhen. Dann sind Sie faul!

Das können noch ganz alte Kindheitsmuster sein, wo Sie nicht einfach mal rumsitzen und träumen durften, sondern dann sofort aufgescheucht wurden.
Das können Vorbilder aus Ihrer Kindheit sein, Eltern, die ununterbrochen arbeiteten und sich nie Ruhe gönnten.

Gerade bei geistiger Arbeit ist es ja nicht immer so offensichtlich, dass man „was tut“. Bei einem Training ist es ganz deutlich. Da sind Sie aktiv. Aber bei den Zeiten zu Hause… Nein, Sie sind nicht zu Hause! Sie sind im Home Office und arbeiten. Selbst wenn Sie mit einem Fachbuch auf dem Balkon sitzen oder wie ich gerade in der Türkei am Laptop sitze: Sie arbeiten! Das gehört alles dazu, damit Sie ihren Job gut machen.

8. Sie vergleichen sich mit anderen

Sie hören oder lesen, dass Kollege XY 160 Trainingsstunden im Jahr macht. Und Sie haben nur 140.

Eine Kollegin erzählt, dass Sie gleich von einem Training ins nächste fährt. Die Folien allezeit dabei.

Dann sollen sie doch. Wissen Sie, WIE die Ihre Trainings machen? Die immer gleichen Power Point Vorträge abspulen und die Teilnehmer dann alleine arbeiten lassen? Oder mit Herzblut und Power mit den Teilnehmern arbeiten?

Sie sind Ihr einziger Maßstab: Schauen Sie, was Sie machen möchten und was Sie brauchen. Wann Sie noch gut sind oder schon erschöpft. Soll Ihr Leben nur aus Arbeit bestehen oder gibt es auch noch andere Bereiche, die für Sie genauso wert-voll sind?

9. Konkurrenzangst

Sie haben Sorge, nicht mithalten zu können und nicht konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn Sie nicht immer und überall und zu jeder Zeit parat sind, dann schnappt Ihnen jemand anderes Ihr Training weg.

Ich bin überzeugt: Es ist genug für alle da.

Zudem sind wir alle einmalig. Selbst wenn jemand ein Training von mir eins zu eins kopiert (was theoretisch möglich wäre, da ich in meinem Büchern sehr viel veröffentlicht und preisgegeben habe) wäre es nie das gleiche wie meins. Weil wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Weil wir ganz unterschiedlich arbeiten. Auch wenn wir die gleiche Methode einsetzen: bei Ihnen wird das anders rüberkommen als bei mir.

Wenn Sie sehr deutlich machen (auf Ihrer Webseite, in den Gesprächen, bei Ihrer Arbeit, auf Ihrem Blog) wie Sie arbeiten, welche Persönlichkeit Sie sind und welche Kunden am besten zu Ihnen passen- dann brauchen Sie keine Angst zu haben. Denn dann finden genau die Kunden zu Ihnen, die SIE wollen – und niemand anderen.

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Von daher: nehmen Sie sich nicht die Freude an Ihren Trainings, indem Sie Ihren Kalender zu voll knallen. Das kann zudem auch Ihre Gesundheit beeinträchtigen.
Klären Sie für sich, in welchem Rhythmus Sie Trainings durchführen möchten, so dass genug Zeit für Ihre anderen Arbeiten bleibt und für Ihre anderen Lebensbereiche und Ihre Regeneration.

Das sind Sie sich und Ihren Teilnehmer schuldig.

Ich wünsche Ihnen fröhliche Trainings!

Zamyat

 

Bunte Schnürsenkel

Ich habe ja beinahe vergessen, dass ich regelmäßig Beispiele veröffentlichen möchte zur Kategorie „Farbe ins Leben bringen“. Aus keinem anderen Grund als damit auch ein wenig Freude und Lachen ins Leben zu bringen. Mich machen Farben immer fröhlich, daher umgebe ich mich auch gerne damit.

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so.

Hier also ein weiteres Beispiel, inspiriert von einer Freundin. Man kann Schuhe mit bunten Schnürsenkeln farbiger und lustiger machen. Sogar wenn die Schuhe selbst schon bunt sind.

Die schwerste Übung: Nichts-Tun und kein Programm

Letzte Woche gab es keinen Newsletter, da ich 7 Tage Urlaub gemacht habe. Den E- Mail Autoresponder eingestellt und das Laptop nicht aufgeklappt. Da schon in der zweiten Woche hier in der Türkei die Online-Seminare wieder losgehen, wollte ich die erste Woche konsequent sein.

Das war gar nicht so einfach – aus verschiedenen Gründen.

Das Wetter war sehr durchwachsen, die meiste Zeit bewölkt und noch zu kühl, um am Strand zu liegen. Also blieb ich im schönen Garten und kuschelte mich auf’s Köşk. Doch nur lesen, schreiben, dösen?

Kann ich denn einfach nur rumhängen?

Auch wenn es mir manchmal in den Fingern juckte, nun doch auch mal was „Sinnvolles“ zu tun, habe ich es bewusst ausgehalten. Denn für eine richtige Erholung ist es gut, sich auch mal minutenlang zu langweilen. Und vor allem dem inneren Antreiber nicht nachzugeben. Der machte mir nämlich viel mehr zu schaffen.

Ich wusste, jetzt und hier war es gut, stundenlang nur rumzudösen und erschreckend viel zu schlafen, denn offensichtlich brauchte mein Körper das. Die letzten Wochen zu Hause waren sehr intensiv gewesen und vor allem mit vielen schlaflosen Nächten durchzogen. Daher freute ich mich hier über jede Minute, die ich schlafen kann. Und wie immer schlafe ich hier von der ersten Nacht an wunderbar.

AfrikaErst am vierten Tag raffte ich mich nachmittags zu meiner „großen Runde“ ums Dorf auf, 7 ½ km. Auch hier merkte ich, dass es mich anstrengte und ich sagte mir „yavaş yavaş“, langsam langsam. Mich nicht zu etwas zwingen, nicht wieder ein Programm draus machen! Zum Beispiel:“Du musst jetzt jeden Tag die große Runde laufen!“ „Du musst auch bald einen Wanderweg einlegen.“ „Du musst die Zeit nutzen!“

Aus Programmen aussteigen

Puh, genau aus solchen Programmen möchte ich im Urlaub doch aussteigen. Schauen, wonach mir gerade ist und was ich jetzt brauche. Rumliegen oder rumsitzen, ein paar Schritte durch’s Dorf oder am Strand entlang gehen? Ein Schwätzchen halten oder eher Rückzug? Romänchen lesen oder  bunte Buchstaben malen?

Als die „Macherin“ schlechthin fällt mir das nicht leicht.

Den Motor runterfahren

Und was bedeutet für mich, etwas „Sinnvolles“ zu tun? Das hieß bislang Arbeit oder Fortbildung, was mir ja beides auch oft Spaß macht. Aber das schaltet sofort wieder den Motor im Hirn an, der für die Abteilung Arbeit zuständig ist. Und der soll ja mal eine Woche still gelegt werden. Für Wartungsarbeiten sozusagen. Frisch geölt und geputzt werden.
So einen Motor erst einmal runterzufahren, dauert erfahrungsgemäß einige Tage.

Schlechtes Gewissen in die Tonne kloppen

Ich vermute, der größte Widerstand kommt tatsächlich aus der Ecke „schlechtes Gewissen“. Das ist noch älter als der innere Antreiber, wobei die beiden ein prima Bündnis eingehen.

Dabei habe ich gar keine protestantische Erziehung genossen und die Kölner Katholiken sind eigentlich lockerer drauf. Aber irgendwie bin ich davon infiziert worden. „Du bist nur etwas wert, wenn du etwas leistest!“ „Du kannst doch nicht einfach…“ (hier kann man nun einsetzen: nichts tun/ rumsitzen / Tee trinken…).

Warum um Himmels willen nicht? Im Urlaub!! Wem schade ich damit??

Was mich schon erschüttert ist, dass diese Stimmen so laut sind. Obwohl ich das vom Kopf her völlig unsinnig finde. Es ja auch extra so geplant habe und es mir gönne, es richtig finde.

Doch mit Argumenten bekomme ich diese inneren Stimmen nicht still. Daher bietet sich als ein weiteres Thema für einen Newsletter an: „Wie gehe ich mit inneren Antreibern um?“

Das gibt es dann vielleicht im nächsten NL oder im übernächsten… :-).

Jetzt mache ich erst mal die restlichen Tage Urlaub.